Bart-Haarausfall | Was mache ich falsch?

Jeder frische Bartträger kennt das: Da hat man sich monatelang einen Bart wachsen lassen, das Jucken überwunden (was hier hilft, findet ihr in einem anderen Beitrag) und blickt nun stolz auf seine Mähne. Doch was ist das? Dort in der Bürste? Und da, im Waschbecken? Haare! Kostbare Haare! Und so viele?! Schnell überkommt den Bartfrischling die Furcht. „Ist das normal?“ oder „Was mache ich falsch?“  beschäftigt viele beim Anblick von Teilen ihrer ausgefallenen Pracht. Diese Zweifel und Sorgen will ich in diesem Beitrag zerstreuen.

Was sind unsere Haare eigentlich?

Unsere Haare sind lange Hornfäden, welche zu etwa 80% aus Keratin, 15% Wasser, sowie einem geringen Anteil aus Fetten und Mineralien bestehen. Sie werden im Wesentlichen in drei Schichten unterschieden: Cuticula, Cortex und Medulla. Die Cuticula, die uns auch Hinweise auf die Haargesundheit gibt, bezeichnet die äußerste Schicht. Der Cortex, oder Faserschicht macht etwa 80% des Haares aus. Er besteht aus Faserbündeln, die sich wiederum aus viel feineren Keratinfasern zusammensetzen. Dies ist die Stelle, an der der bekannte Spliss entsteht. Den Kern unserer Haare bildet die Medulla, das Haarmark, welche aber für uns hier nicht weiter interessant ist.

Viel mehr vom Haar befindet sich jedoch unter unserer Haut, wie die folgende Abbildung verdeutlicht:

bart haarausfall

Anatomy_of_the_skin.jpg: Wong, D.J. and Chang, H.Y. Skin tissue engineering (March 31, 2009), StemBook, ed. The Stem Cell Research Community, StemBook, doi/10.3824/stembook.1.44.1, http://www.stembook.org. derivative work: Anka Friedrich, Anatomy of the skin de, CC BY 3.0

Hier ist auch die Talgdrüse zu finden, die dafür sorgt, dass unsere Hautschicht und das Haar weich bleiben. Wird die Talgdrüse zu sehr angeregt, ist fettiges Haar die Folge. Ist sie hingegen zu wenig aktiv, wird das Haar trocken und stumpf. Die Haarpapille ist für uns ebenfalls interessant, steuert sie doch die Versorgung des Haares mit den wichtigsten Nährstoffen. Ist hier alles in Ordnung, haben wir ein gesundes Haarwachstum.

Trotz des gleichen Aufbaus werden drei Haartypen unterschieden: Vellushaare, Terminalhaare und Lanugohaare. Für uns Bartträger sind die dicken, borstigen Terminalhaare interessant, die unseren Bart zum Bart machen.

Dass euer Bart unterschiedlich wächst, ist euch bestimmt schon aufgefallen. Dies ist völlig normal und hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Alter, genetischer Veranlagung, Stress und auch Ernährung ab. Auch die Stelle des Körpers, wo sich das Haar befindet, bestimmt die Wachstumsgeschwindigkeit. So wächst ein Barthaar ungefähr 2,8 Millimeter je Woche, ein Achselhaar dagegen nur 2,1 Millimeter. Ob und wie du das Bartwachstum beschleunigen kannst, erfährst du auch in einem anderen Artikel.

Haarausfall ist normal und ein Teil von gesundem Haarwuchs!

Der Wachstumszyklus des Körperhaars läuft in mehreren Phasen ab. Von der Wurzel wird das Haar genährt, sodass es in der Wachstumsphase (die so genannte Anagenphase) in die Länge wachsen kann. Der größte Abschnitt des Körperhaars befindet sich in dieser Phase. Hier enthält es am meisten Melanin, dem Pigment, welches für die Haarfärbung verantwortlich ist. In der Abbauphase (Catagenphase) kommt es zum Wachstumsstopp. Schließlich folgt die Ruhephase (Telogenphase), in der sich das Haar von der Wurzel löst und von dem nachwachsenden Haar verdrängt wird. In einem Hautbereich können zugleich unterschiedliche Wachstumsphasen der einzelnen Haare bestehen.

Haarausfall ist ein normaler, zyklischer Prozess, der von gesundem Haarwachstum und einer funktionierenden Hautflora zeugt! Je nach Länge und Dichte eures Bartes, kann da schon mal was im Waschbecken, der Bürste oder dem Kamm zusammenkommen. Dies ist völlig normal und stellt keinen Grund zur Besorgnis dar. Ein Haarausfall von 90 – 100 Haaren pro Tag gilt als unbedenklich. Das klingt zwar erst einmal nach sehr viel, aber bei mehreren Zehntausend Barthaaren (bzw. 100.000 – 150.000 Haaren auf dem Haupt) relativiert sich das.

Mittel gegen Bart-Haarausfall?

Natürlich hat die Industrie unsere Ängste gespürt (geschürt?) und möchte uns allerlei Toniken und Wässerchen verkaufen, ganz so wie die fahrenden Quacksalber in früheren Zeiten. Viel wichtiger als sich Produkt um Produkt in die Haare zu schmieren ist, auf die Qualität der Produkte zu achten. Hier sollte, meiner Meinung nach, unser Augenmerk liegen. Schlechte, billige Inhaltsstoffe greifen unseren geliebten Bart mehr an, als dass sie nützen. Auch könnten die Produkte einfach zu stark für unsere Haut und Barthaare sein. Hier müssen wir auf uns selbst achten, Männer. Wie fühlt sich mein Bart nach dem Waschen an? Ist er weich und gepflegt oder eher trocken und strohig, als wäre nicht nur der Schutz, sondern auch aller Schutz von ihm abgewaschen? Wie sehen meine Haut und die Cuticula aus und wie verhalten sie sich? Hier spricht unser Bart mit uns, wir müssen nur zuhören.

Versteht mich nicht falsch, ich will hier kein Plädoyer gegen Drogeriemarktprodukte halten – gute Produkte halten auch hier immer mehr Einzug, wie man an Bulldog sieht, aber teurere Premiumprodukte sind hier wirklich in Betracht zu ziehen.

Also meine Herren: Pflegt euren Bart mit den richtigen Produkten (zum Beispiel richtigen Bartshampoos und keine Haarschampoos), kümmert euch um euren Bart und achtet auf die Inhaltsstoffe, dann braucht ihr vor Haarausfall keine Angst zu haben. Es braucht nicht viel für gute Bartpflege. Achtsamkeit ist aber wichtig. Das, liebe Männer, sollten wir uns einfach wert sein.

 

Titelbild: Just Dance / Shutterstock.com

Von |2018-11-16T20:36:01+00:0012. November 2018|Allgemein|0 Kommentare

About the Author:

Ich bin Martin, 35 Jahre alt und trage seit meinem 16. Lebensjahr Bart in den unterschiedlichsten Variationen.

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